Montag, 4. November 2013

Die Fehlschlüsse des Antonin Scalia und die Banalität der Macht

In einem Interview mit der Zeitschrift New York Magazine erklärte Antonin Scalia, einer der neun Mitglieder des amerikanischen obersten Gerichtshofes, dass er an den Teufel als tatsächlich existierende Person glaube. Dies ist an sich nichts Außergewöhnliches, da ein Großteil der Menschen — nicht zuletzt in den USA — an den Teufel glaubt. Problematisch ist Scalias Bekenntnis jedoch, weil er aufgrund seines Amtes zu den einflussreichsten Personen der USA gehört und weil er mit seinen Begründungen sein irrationales Denken offenbart.

Nachdem Scalia in dem Interview geäußert hatte, dass er an Himmel und Hölle glaube, fügte er hinzu: Ich glaube sogar, dass es den Teufel gibt.

Inverviewer: Tun Sie das?

Scalia: Natürlich! Ja, er ist eine wirkliche Person. He — ich bitte Sie! —, das ist eine gängige katholische Glaubenslehre! Jeder Katholik glaubt das.

Scalia rechtfertigt seine Überzeugung, dass der Teufel existiere, damit, dass es sich dabei um die gängige katholische Lehre handele. Der Trugschluss besteht darin, sich auf eine falsche Autorität zu berufen. Natürlich sieht sich die katholische Kirche als Autorität, wenn es um Himmel, Hölle, Gott und Teufel geht, und sie wird von den meisten Gläubigen auch als solche anerkannt. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es der Kirche an rationalen Begründungen für diese Lehren fehlt. In Wirklichkeit handelt es sich dabei lediglich um Dogmen und Mythen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Scalia rechtfertigt sich außerdem damit, dass jeder Katholik daran glaube. Dies mag wahr sein, aber die Mehrheitsmeinung hat keinen Einfluss darauf, ob eine Behauptung wahr ist.

Den Fehlschluss der Berufung auf die Mehrheit begeht Scalia später im Interview noch einmal: Sie schauen mich an, als ob ich komisch wäre. Mein Gott! Sind Sie so weit weg vom größten Teil Amerikas, von denen die meisten an den Teufel glauben? ... Sie bewegen sich in Kreisen, die vom Durchschnittsamerika so weit entfernt ist, dass Sie entsetzt sind, dass jemand an den Teufel glaubt! Der größte Teil der Menschheit hat an den Teufel geglaubt, in der ganzen Geschichte.

Scalia mag recht haben, dass die meisten Menschen an den Teufel glauben, was ihn aber nicht realer macht. Die meisten Menschen glaubten während des größten Teils der Geschichte, dass die Erde eine Scheibe sei, was trotzdem nicht den Tatsachen entsprach.

Schließlich bringt Scalia dann noch einmal eine Berufung auf zweifelhafte Autoritäten: Ich meine, Jesus Christus hat an den Teufel geglaubt! Es steht in den Evangelien! ... Viele intelligentere Leute als Sie und ich haben an den Teufel geglaubt.

Sich auf eine mythische Figur als Beleg für eine Behauptung zu berufen ist natürlich mindestens so problematisch wie darauf zu verweisen, dass einige angeblich intelligentere Leute das gleiche glaubten.

Die Äußerungen Scalias zeigen, dass eine besondere Intelligenz und ein rationales Denken nicht nötig sind, um eine einflussreiche Position zu besetzen. Er beruft sich darauf, dass die Durchschnittsamerikaner das Gleiche glaubten. Aber Scalia ist kein Durchschnittsamerikaner. Als Mitglied des Supreme Court sollte er eine größere Fähigkeit zum logischen Denken vorweisen können als der Durchschnittsbürger. Aber wir müssen den Blick nicht über den Atlantik schweifen lassen, um zu sehen, wie wenig Vernunft an den Schaltzentralen der Macht vorhanden ist, schließlich haben hierzulande erst vor kurzem die Wähler einem Ministerpräsidenten, der nicht fähig ist, eine siebenstellige Zahl zu lesen, wieder eine absolute Mehrheit im Landtag verliehen.

Das ganze Interview mit Scalia kann auf der Website von New York Magazine gelesen werden: http://nymag.com/news/features/antonin-scalia-2013-10/index3.html

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